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> "nachhaltige" Kapitalanlagen

Hätten Sie's gewußt? Ein Latte macciato benötigt vom Anbau bis zum Abwasch 200 Liter Wasser! ("Wasser-Fußabdruck", ermittelt von der US-Akademie der Wissenschaften; FTD 2012-02-14)

U
m es gleich vorweg zu nehmen:   D i e   nachhaltige Geld- oder Kapitalanlage gibt es nicht - der Begriff ist nicht geschützt. Unter diesem Etikett tummeln sich zahlreiche alternative Begrifflichkeiten, beispielsweise:


- ethisch-ökologische Geld- oder Kapitalanlagen
- ganzheitliches Investment
- alternatives Investment
- grünes Geld
- sozial verträgliche Geldanlage
- ressourcenschonendes Investment
- regenerative Energien
-
Klimawandel, Energieeffizienz, Emissionsminderung, Ressourcenschutz
-
Socially Responsible Investments (SRI)
- Governance-Kriterien
- usw. usf.

Niemand kontrolliert wirklich möglichen Mißbrauch mit dem ethisch-ökologisch-nachhaltigen Etikett, so daß es dem Unkundigen schwer fällt zu überprüfen, ob Produktversprechungen eingehalten werden.

Somit gibt es auch keine unabhängige, allgemein anerkannte Instanz oder Institution, die mit einer wie immer gearteten Finanz-, Umwelt oder Sozialanalyse eine Bewertung der am Markt angebotenen "nachhaltigen Geldanlagen" vornehmen kann - vielleicht gar ein geschütztes Markenzeichen vergibt. "
Ein einheitliches Gütezeichen ist es aber nicht. Anlegern sollten somit auch in Zukunft die Fondsprospekte genau studieren – und nicht nur darauf achten, ob diese auf recyceltem Altpapier gedruckt sind." (FTD 2008-07-07 - Fragwürdige Nachhaltigkeit)

Hinsichtlich der Begriffsbestimmungen kann man sich auf verschiedene Arbeiten stützen wie beispielsweise der Brundtland-Bericht von 1987 (“Unsere gemeinsame Zukunft”; UNO-Sachverständigenkommission für Umwelt und Entwicklung; Perspektivbericht zu langfristig tragfähiger, umweltschonender Entwicklung im Weltmaßstab bis zum Jahr 2000 und darüber hinaus), der auf Seite 46 formulierte: “Dauerhafte Entwicklung ist die Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, daß künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können”

Oder man studiert die “Darmstädter Definition Nachhaltiger Geldanlagen” (www.wupperinst.org/uploads/tx_wibeitrag/ws31.pdf); hilfreich könnte auch eine Schrift des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ZdK sein: Ethisches Investment - Mit Geldanlagen Verantwortung wahrnehmen! (http://www.zdk.de/erklaerungen/erklaerung.php?id=162), oder bei Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Nachhaltig.

Basierend auf einer Rede des damaligen UN-Generalsekretärs Kofi ANAN vom 27.04.2006 an der New Yorker Börse zum Thema “Principles of Responsible Investment (PRI)” entstand eine Finanzinitivative des UN-Umweltprogrammes. Unter Leitung des UN-Generalsekretärs entwickelten Institutionen wie Pensionsfonds, Stiftungen und Regierungsfonds gemeinsame Leitlinien für finanzmarktrelevante  Umwelt-, Sozial- und Governancekriterien (ESG) . Näheres dazu auf http://www.nachhaltigkeit.info/artikel/PRI_principles_1090.htm





Unbestritten jedenfalls ist, daß Geld nicht neutral ist. Es kommt vielmehr darauf an, was man daraus macht. Mit einer "ethischen Geldanlage" läßt sich Verantwortung übernehmen! So gibt es sicherlich eine Reihe mehr oder weniger allgemein anerkannter Kriterien, um zu überprüfen, wie Kapital investiert werden soll, beispielsweise:

  • Rüstung/Kriegswaffen herstellen und/oder Handeln
  • politisch geächtete Regime/Menschenrechte/pol. Verfolgung, Gleichgültigkeit gegenüber Armut, Korruption, unfairer Handel, Verstoß gegen Kartellrechte und Gesetze
  • natur- und umweltfeindliche Produktion (z. B. Atomkraft, Gentechnologie, Agrochemie, Umweltzerstörung)
  • Kinderarbeit, Ausbeutung von Frauen, Pornographie, Zwangsarbeit
  • Suchtmittel (Alkohol, Tabak, Glücksspiel)
Wie eine Bank oder eine Kapitalanlagegesellschaft mit ihrer jeweiligen sogenannten Researchmethode an die Sache herangeht, um die Investitionsobjekte für ihre Produkte auszuwählen, ist wieder eine Sache für sich - die einen geben sich transparenter, die anderen weniger. Eine ganze Reihe von Produktgebern orientieren sich beispielsweise an die vom European Social Investment Forum (Eurosif) erstellte freiwillige Transparenzverpflichtung, die ihren Mitgliedern Leitlinien an die Hand gibt, daß ...
  •  eine Definition erfolgt und die Investitionskriterien klar und verständlich dargestellt werden,
  • die Research-Methoden und Kontrollen offen gelegt werden,
  • die geforderten Informationen frei zugänglich sind.
Hinsichtlich der Vorgehensweise zur Auswahl von Titeln, die in den einzelnen (offenen) Nachhaltigkeitsfonds die Wertschöpfung erzeugen sollen, kann man am Markt grob vier verschiedenen Vorgehensweisen unterscheiden:

  • Kriteriengeleitete Fonds:Auswahl aus einer umfangreichen Liste definierter Positiv- und Negativmerkmalen -> das Geld wird gezielt in Unternehmen investiert, die Produkte herstellen oder Managementverfahren entwickeln, die als ökologisch oder sozial fortschrittlich gelten.
  • Best-of-Class-Ansatz: Innerhalb einer Kategorie (z. B. Land, Branche) werden stets die Anlageobjekte bevorzugt, die die Nachhaltigkeitskriterien am besten erfüllen: D.h. ob sie relativ zu anderen Unternehmen schonend beispielsweise mit Ressourcen wie Wasser, Luft oder Energie umgehen, sich überdurchschnittlich um Umwelt und Wohl ihrer Mitarbeiter kümmern, die faires und transparentes Verhalten gegenüber Mitarbeitern und Aktionären pflegen, vorausschauende Unternehmensstrategien entwickeln, die Ressourcen schonen. Ziel: Förderung des Wettbewerbs zu mehr Natur- und Sozialverträglichkeit in Ländern und Unternehmen.
  • Pionierfonds/Themeninvestments: Bewußte Konzentration auf ökologische und soziale Vorreiter -> oftmals kleine und mittelgroße Unternehmen, die zukunftsweisende Wege beschreiten = hohes ökonomisches Risiko bei ebenso großen Chancen.
  • Engagement-Prinzip: Ein Fondsmanagement geht auf eine Unternehmensführung zu und versucht diese zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise zu bewegen.
Alternativ: Kombinationen aus diesen Ansätzen.



Grundsätzlich gilt es jedoch, die am Markt angebotenen Finanzprodukte daraufhin zu untersuchen, welcher Anlageklasse (asset class) sie zuzuordnen sind. Nur so kann man sie auch hinsichtlich ihres Chancen- und Risikoprofils bewerten.

Grob gesprochen gilt es zu unterscheiden zwischen:
  • Liquide Mittel (z. B. Geldwert-Anlagen bei “grünen Banken”)
  • offene Aktien/-fonds
  • offene Renten/-fonds
  • geschlossene Fonds (z. B. Immobilien, Schiffe, Flugzeuge, Container, Wind-/Photovoltaik-/Biomasse-/Geothermiekraftwerke)
  • sog. Alternative Investments wie:
    1. Vermögensverwaltung
    2. Namensschuldverschreibung
    3. Stille Beteiligung/Partiarische Darlehen
    4. verzinsliche Wertpapiere (Anleihen, Pfand-/Rentenpapiere, Obligationen)
    5. Genußrecht
    6. Zertifikat
    7. etc.
Jede dieser Anlageklasse ist wieder auf ihre Eigenschaft zu untersuchen, ob sie eine Geldwertinvestition oder eine Sachwertanlage darstellt.




Deutscher Nachholbedarf bei Nachhaltigkeit

"Investoren sind nachhaltig verwirrt

Die Deutschen investieren gern in nachhaltige Geldanlageprodukte, wissen aber oft nicht, was sich dahinter eigentlich verbirgt. Zu diesem Ergebnis kommt die am Donnerstag veröffentlichte Studie „Das optimale Geldanlageprodukt“ des Kölner Marktforschungsinstituts YouGovPsychonomics, für die mehr als 1000 Bundesbürger repräsentativ befragt wurden. Der Studie zufolge kommt für mehr als jeden zweiten Deutschen ein Investment in ein nachhaltiges Geldanlageprodukt infrage, lediglich 14 Prozent schließen dies aus. „Die große Offenheit gegenüber diesen Anlageprodukten basiert allerdings lediglich auf positive Aufladung des Begriffs Nachhaltigkeit. Konkrete Kenntnisse über Definitionen oder Siegel zur Nachhaltigkeit bei Finanzprodukten liegt nur selten vor“, sagt Institutsvorstand Oliver Gaedeke. Annähernd zwei Drittel aller Befragten geben an, keine Vorstellung davon zu haben, was unter einer nachhaltigen Geldanlage tatsächlich zu verstehen ist. Definiert werden nachhaltige Investments meist als Geldanlagen, für die über ökonomische Faktoren hinaus auch soziale und ökologische Kriterien berücksichtigt werden." (FTD 2010-07-23)


"Gerade auf dem deutschen Markt gibt es noch reichlich Potenzial für nachhaltige Geldanlage." (Roman LIMACHER in cash 5/2011, S. 28)

Studien zufolge entfielen erst zwei Prozent aller deutschen Kapitalanlagen auf ethische und nachhaltige Produkte, in Dänemark wären es 19-mal soviel, in Frankreich 140-mal so viel (Eurosif-Studie, zitiert in cash a.a.O.). Dabei wird einer nachhaltigen Kapitalanlage ein bedeutsamer Mehrwert für das Wertpapierdepot zugesprochen: Bei gleichen Renditeerwartungen ließen sich die Verlustrisiken eines konventionellen Portfolios senken, wenn ethische Geldanlagen beigemischt werden. Wohlhalbende und institutionelle Anleger, gerade im europäischen Ausland, hätten das bereits seit längerem erkannt.




Als unabhängige Finanz- und Versicherungsmakler mit Standort in Offenburg stehen wir Ihnen mit unseren zahlreichen Möglichkeiten, unserer langjährigen Erfahrung und hoher Kompetenz* gerne zur Verfügung, damit auch Ihr Portfolio ethisch-nachhaltigen Kriterien gereicht wird.

Service

Bei Bedarf schicken wir Ihnen gerne eine Linkliste zu mit in Deutschland tätigen "grünen Banken" sowie Institutionen, die sich im weitesten Sinne mit dem Thema "nachhaltige Kapitalanlage" befassen - als kleine Gegenleistung bitten wir um Ihr Einverständnis, Ihre eBrief-Adresse in unseren Verteiler aufnehmen zu dürfen.

Last-but-not-least: Mittlerweile finden Sie auch im Versicherungsmantel (z. B. Rüruprente, Riesterrente, private Rentenversicherung) zahlreiche Möglichkeiten, Ihren Sparanteil in soziale und ökologische ausgerichtete Policen zu investieren. Fragen Sie uns! Einen aktuellen Presseartikel dazu finden Sie weiter unten in der Anlage.



*)Anmerkung:


ċ
FTD_2010-06-16_mehr_als_Modetrend.pdf
(76k)
Frank C. LASCH,
05.10.2011, 04:52
ċ
FTD_2010-10-14_Atomkraft+Ökofonds.pdf
(73k)
Frank C. LASCH,
05.10.2011, 04:52
ċ
FTD_2011-07-29_Nachhaltig_versichert.pdf
(110k)
Frank C. LASCH,
04.08.2011, 08:23
ċ
FTD_2011_09-27_SAM.pdf
(72k)
Frank C. LASCH,
05.10.2011, 04:51
ċ
Fonds_aktuell_Öko-Investments_Grün_ist_geil_bei_Fondsanlage.pdf
(59k)
Frank C. LASCH,
05.10.2011, 04:55
ċ
ZdK-Erklärung_Ethisches_Invest.pdf
(34k)
Frank C. LASCH,
05.10.2011, 04:57
ċ
survey-sum-d.pdf
(1197k)
Frank C. LASCH,
05.10.2011, 04:56
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