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"Nichts geschieht ohne Risiko, aber ohne Risiko geschieht auch nichts" (Bonmot des ehemaligen Bundespräsidenten Walter SCHEEL, einem ausgebildeten Bankkaufmann)

Das Thema Geld- bzw. Kapitalanlage ist nicht zuletzt deshalb so brisant wie interessant, weil es hier keine wirklichen Gewißheiten gibt, dafür aber einen Ozean an Ansichten, Meinungen, Theorien und Vorstellungen.

Gleichwohl gibt es wichtige Beschränkungen und Fakten, an denen niemand vorbei kommt. Eine zentrale Einsicht ist, daß es zwischen den Faktoren "Verfügbarkeit", "Rendite" und "Sicherheit" einen sehr engen Zusammenhang gibt (bekannt als das "Magische Dreieck"). Beispielsweise geht eine hohe Rendite automatisch mit geringerer Sicherheit und meist auch geringer(er) Verfügbarkeit einher. Umgekehrt ist eine Geldanlage mit hoher Verfügbarkeit automatisch mit geringer Rendite verbunden (und tendenziell höherer Sicherheit).



Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Zeit. Sie ist zum Beispiel eng mit dem Thema der sogenannten Volatilität verbunden:
Über einen Zeitverlauf betrachtet schwanken eine ganze Reihe von Kapitalanlagen in ihrem Wert, am bekanntesten ist dies bei der Aktienbörse. Das ewige Ratespiel des günstigsten Ein- und Ausstiegszeitpunktes findet hier seine Spielwiese.

Des weiteren spielt der Faktor Zeit eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit der individuellen Situation, des beabsichtigten Zeithorizonts für die Dauer der Anlage vor dem ganzen Hintergrund von Wünschen, Vorstellungen, Absichten jedes einzelnen Anlageinteressenten. So kann eine Anlageentscheidung nicht nur allein von der sogenannten Risikoneigung eines Anlegers abhängen, sondern auch davon, ob er noch Zeit hat, eventuelle oder unerwartete Verluste zeitlich wieder aufholen zu können, damit zum Beispiel eine Altersversorgung nicht gefährdet oder eine Finanzierung sicher gestellt ist (Stichwort: Zinseszins-Effekt).



Eine weitere zentrale Erkenntnis ist die sogenannte Diversifikation des Vermögens oder salopp gesagt: Nie alle Eier in einen Korb legen (und dazu noch: nicht nur Eier ...). Es hat sich als erfolgreich erwiesen, wenn eine Vermögensstruktur immer an einer ausgewogenen Streuung unterschiedlicher Anlageklassen
(sogenannten assets) ausgerichtet war, die möglichst verschieden voneinander sind (d.h., untereinander möglichst wenig korrelieren; Stichwort "asset allocation"). An dieser Stelle ist auch auf das Volumen des Vermögens zu achten, da es strategisch einen Unterschied ausmacht, ob es sich um große oder kleine Vermögen handelt.

Wichtig zu wissen sind einfach auch empirische Erkenntnisse, zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Thema "Inflation". Die dem Deutschen nach zwei Währungsreformen in einem Jahrhundert praktisch gentechnisch einprogrammierte Inflationsangst mag derzeit im Zeichen der Finanzkrise manchem Anlagevermittler wie eine Steilvorlage erscheinen, um dem Kunden vermeintlich inflationssichere Aktien, Immobilien oder Zertifikate anzubieten.

Der scheinbar logische Zusammenhang zwischen Anlage in Sachwerte wie Aktien oder Immobilien und Inflationsschutz hält einer empirischen Prüfung nicht stand. Hinsichtlich der Kursentwicklung der Aktie ist festzustellen, daß deren Kurse in Zeiten hoher Inflation in aller Regel eine niedrige bis sehr niedrige Bewertung zugedacht wird. Ermittelt man in einer längeren Zeitreihe die inflationsbereinigte Kursentwicklung, stellen sich oftmals sogar Kurseinbußen heraus. "Im historischen Mittel sorgt ein Anstieg der Teuerung von zwei bis drei Prozent auf über zehn Prozent selbst bei unveränderten Gewinnerwartungen für eine Drittelung der Aktienkurse - der Inflationsschutz wird so konterkariert", stellt Christian KIRCHNER in einem FTD-Beitrag fest (Der trügerische Schein der Sachwerte; 14. Feb. 2011). Wir meinen: Wenn Aktienbesitz, dann im Sinne von "back-to-the-roots" eher wegen der Dividende und nicht so sehr wegen der Erwartung auf mögliche drastische Kurssteigerungen ...



Bei Immobilien ist in diesem Zusammenhang festzuhalten, daß nicht die Inflation, sondern die gesamtwirtschaftliche Entwicklung (Wirtschaftswachstum, Zinsen & Neubauaktivitäten, Demographie, etc.) der wichtigste Faktor für die künftige Immobilienpreisentwicklung darstellt. "Unter dem Strich darauf zu zählen, daß die Teuerung die Schulden aus einem Immobilienkredit weginflationiert, ist geradezu töricht, da eine hohe Inflation mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Wirtschaft schwächen und die Kapitalmarktzinsen klettern lassen würde" (KIRCHNER, a.a.O.). Zum Zweiten hat die Geschichte bewiesen, daß bei einem solchen Szenario bislang immer der Staat massiv eingegriffen und über Hauszinssteuern, Einfrieren von Miet- sowie Häuserpreisen und Hypothekengewinnabgaben einen "Inflationsgewinn" abgeschöpft hat. "Es bedarf schon großer Naivität zu glauben, daß die staatlichen Reaktionen im Krisenfall - also hohen Inflationsraten und knappen Staatskassen - künftig anders aussehen werden, zumal nichts leichter zu erfassen und besteuern ist als Grundbesitz"
(KIRCHNER, a.a.O.). Wir meinen, daß über das Inflationsargument hinaus dennoch eine ganze Reihe Argumente für unterschiedliche Formen von Immobilienerwerb existieren, z. B. das Erwirtschaften von Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung (neben den selbstgenutzten vier Wänden).



Nicht zuletzt ist das Thema sehr stark ideologisch aufgeladen. So schwören die einen Anleger auf bestimmte Anlageregionen, andere hegen tiefe Abneigungen gegen bestimmte Branchen, wieder andere wollen mit diesem oder jenen Produkttyp nichts zu tun haben, und für immer mehr Interessenten rückt das Investieren in ökologisch-sozial-nachhaltig-ethische Anlageformen in den Vordergrund.

Schließlich bestimmen auch hier wie überall noch Moden die Anlageentscheidung, oder fachlich ausgedrückt: tatsächliche oder vermeintliche
sogenannte Megatrends (wie beispielsweise derzeit das Thema Rohstoffe, insbesondere Gold & Co).

Im Großen und Ganzen ist es jedoch kein Fehler, sich dem Motto von Aristoteles ONASSIS anzuschließen: "Dem Geld darf man nicht nachlaufen, man muß ihm entgegen kommen"
- will sagen: sich mit einem guten Berater aktiv und konstruktiv mit dem Thema auseinander zu setzen und den einmal für gut befundenen Weg möglichst konsequent verfolgen. Denn auch hier gilt: Im ungeschicktesten Falle ist eine schlechte Entscheidung  immer noch besser, als gar keine Entscheidung - lesen Sie hierzu den Beitrag des stellvertretenden Leiters des Finanzressorts der Financial Times Deutschland, Christian KIRCHNER, in der Anlage ("Gefährliches Nichtstun" vom 31.01.2011 = .pdf-Datei).

In einem aktuellen Interview in Das Investment (2011-01) berichtet Jörg LADWEIN, bei Allianz-Leben verantwortlich für deren Kapitalanlagen über 150 Milliarden Euro, zur Problematik Garantiezins in Lebensversicherung im Umfeld des aktuellen Niedrigzinsniveaus: "Unsere Garantien halten wir beim aktuellen Zinsniveau ewig durch". Warum so optimistisch? Weil sie immer wieder Anlageklassen mit attraktiven Chancen fänden. Derzeit seien dies Anleihen in Unternehmen und Schwellenländer sowie Gewerbeimmobilien (Shoppingcenter und Bürogebäude in Deutschland und europäischen Raum), außerdem private-equity, Infrastruktur und erneuerbare Energie; er rechne mit Renditen zwischen 6,5 und 8,5 Prozent p.a..



Ergo: Es macht also wenig Sinn (insbesondere für langfristig orientierte Anleger), immer auf die berühmten "bessere Zeiten" zu warten. " D i e   sichere Geldanlage" finden zu wollen, macht ebenso wenig Sinn (und wer das verspricht, ist ein Bauernfänger). Volatile Börsenphasen gab und gibt es immer, ebenso wie die wirtschaftlichen Konjunkturverläufe. Viel wichtiger ist es, beim Thema Kapitalanlage emotionales Verhalten möglichst außen vor zu lassen und nicht nach kurzfristigem Gewinn zu trachten. Und vor allem: Kaufen Sie nur Produkte, die Sie verstehen! Dabei sollte man eine einmal eingeschlagene und als sinnvoll erachtete Strategie diszipliniert verfolgen, anstatt immer irgendwelchen Performanceversprechen hinterher zu rennen (die sogenannte "Vorteils-Surferei").

Was wir damit sagen wollen: Man muß sich kümmern und mit kompetenten, unabhängigen Beratern zusammenarbeiten - dann findet man nämlich in nahezu jedem wirtschaftlichen Umfeld gute Möglichkeiten.

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FTD_2011-01-31_Gefährliches_Nichtstun.pdf
(79k)
Frank C. LASCH,
24.02.2011, 09:26
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